
Berliner S-Bahn wird schweizerisch
20 Jahre lang war Alstom der Platzhirsch bei der Berliner S-Bahn. Jetzt hat es einen Machtwechsel gegeben: Ein Konsortium aus Stadler Rail, Deutsche Bahn und Siemens hat den Zuschlag für das Mega-Paket bekommen – 1.400 neue Wagen plus Betrieb und Wartung über 30 Jahre ab 2029. Das Volumen: 15 Mrd. €.
Die Deutsche Bahn und Siemens kennt jeder – aber wer ist Stadler? Die Schweizer Firma baut Züge, Straßenbahnen und Metros, liefert weltweit Komponenten und bietet Wartung. Mit 3,5 Mrd. € Jahresumsatz ist Stadler im Vergleich zu Alstom oder Siemens eher ein Leichtgewicht. Und trotzdem: In Europa kommt jeder zweite Batterie- oder Wasserstoffzug von Stadler. Das Unternehmen hat aktuell mehr als 300 aktive Projekte und einen Auftragsbestand von über 30 Mrd. €.
Das klingt nach Wachstum. Aber die Zahlen sind zuletzt holprig:
•2024 ist der Umsatz um 10% gesunken – Naturkatastrophen in Spanien und der Schweiz haben Lieferungen verzögert.
•Im 1. Halbjahr 2025 ist die Firma zwar wieder um 8% gewachsen, aber der Auftragseingang ist um 33% eingebrochen auf den niedrigsten Wert seit 2018.
Dazu kommt eine schwache Profitabilität. Die EBIT-Marge liegt nur bei 3%, langfristig soll sie sich laut Stadler verdoppeln. Das hätte dann auch Auswirkung auf die Bewertung: Aktuell steht der Börsenwert von 2 Mrd. € für das 15-fache vom erwarteten Gewinn. Erreicht Stadler tatsächlich eine höhere Marge, könnte noch Potenzial sein - das müssen die Schweizer aber erst beweisen.