
Berkshire nach Buffett
Am Samstag war Berkshire Hathaways erste große Hauptversammlung ohne Warren Buffett auf der Bühne. Wir haben dazu mit Tilman Versch von good-investing.net gesprochen und er hat den Unterschied deutlich gespürt: Statt 30.000+ Besuchern wie im Vorjahr waren es nur noch geschätzt 10.000 bis 15.000. Weniger international, weniger Energie. Vom "Woodstock des Kapitalismus" zur klassischen Hauptversammlung.
Dafür hat Greg Abel positiv überrascht. Humor gezeigt, persönliches Profil geschärft und vor allem: viel granularer über die einzelnen Businesses gesprochen, als Buffett es getan hat.
Und viel wichtiger als die Besucherzahlen waren sowieso die neuen Quartalszahlen. Die zeigen: Berkshire bleibt Berkshire.
•Cash-Berg auf Rekord: 380 Mrd. $ in Cash. Das 14. Quartal in Folge hat Berkshire netto mehr Aktien verkauft als gekauft. Zwar wurden 16 Mrd. $ investiert, aber für 24 Mrd. $ verkauft. Vermutlich waren das großteils Positionen, die der zu JPMorgan gewechselte Todd Combs gemanagt hat.
•Operative Gewinne +18%: Klingt stark, lag aber vor allem am Versicherungsgeschäft, wo hohe Vorjahresschäden die Vergleichsbasis verzerrt haben.
•BNSF wird effizienter: Abel hat das Management gepusht. Fortschritte sind da, aber die Margen liegen noch weit hinter der Konkurrenz.
•Geico bleibt Schwachstelle: Mehr Schäden, höhere Marketingausgaben für Kundengewinnung, sinkender Gewinn.
•Technologie-Offensive: Abel hat 15 Minuten auf der Bühne erklärt, wie BNSF KI einsetzt, das hätte Buffett nie gemacht. Viele Berkshire-Businesses haben bei neuer Technologie Nachholbedarf.
Die Kultur bleibt: Dezentral, wenig Bürokratie, preisbewusst. Abel hat klargemacht, dass die 380 Mrd. $ nicht einfach ausgegeben werden, nur um etwas zu tun. Sie warten auf die richtige Chance. Buffett selbst hat in Interviews rund um das Event gesagt, dass aus seiner Sicht heute mehr Zocker an der Börse unterwegs sind als je zuvor.
Große Empfehlung ist wie immer, sich die HV selbst anzuschauen. Kann man viel über Business lernen.