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Berkshire Hathaway 2.0?

OAWS Redaktion1. Juli 20262 Min

Eine der spannendsten Tech-Firmen Europas geht heute an die Börse. Bending Spoons hat Firmen wie Evernote, WeTransfer, Komoot oder AOL gekauft, große Teile vom Team rausgeschmissen, die Umsätze optimiert und im besten Fall das Produkt verbessert. 2023 haben sie Firmen für unter 200 Mio. $ aufgekauft, allein im ersten Quartal 2026 waren‘s Übernahmen für über 2 Mrd. $.

Aber große Übernahmen zu machen ist eine Sache. Sie langfristig rentabel zu entwickeln eine andere. Über die Frage, ob das Geschäftsmodell nachhaltig funktioniert, hat Noah im Podcast mit Tim Schumacher gesprochen. Der Serienunternehmer hinter AdBlock Plus, Sedo und dem World Fund baut mit der SaaS Group selbst eine Holding, die Software-Firmen im großen Stil aufkauft.

Was ihn beeindruckt:

Brutale Effizienz: 2,5 Mio. $ Umsatz pro Mitarbeiter. Das ist besser als SaaS Group, besser als Constellation Software, sogar besser als Big Tech. Schumacher nennt es „die erste gefühllose Softwarefabrik der Welt".

Renditeversprechen: Bending Spoons kalkuliert mit einer Mindestrendite von 25% pro Jahr ohne Schulden, 65% mit Hebel. Ähnliche Werte wie bei Constellation oder der SaaS Group.

Starke Retention: 48% vom Umsatz kommen von Kunden, die schon mindestens fünf Jahre im Abo sind.

Was Sorgen macht:

Schulden-Risiko: Die Übernahmen werden sehr stark fremdfinanziert. Allein im letzten Quartal lag die Zinslast bei 90 Mio. $. Schumacher vergleicht das mit der Immobilienbranche: „Solange die Cashcows laufen, läuft das. Aber wenn die Zinsen explodieren, wird's ein Problem."

M&A-Suchtzyklus: Das organische Wachstum ist sehr gering. Bending Spoons muss immer größere Brocken kaufen, um das Wachstum hochzuhalten. Und das tun sie auch. Constellation hat die Kunst perfektioniert, viele kleine Deals zu machen. Das macht Bending Spoons nicht.

Consumer statt B2B: Im Gegensatz zu Constellation ist Bending Spoons stark im Consumer-Bereich unterwegs. Da gibt's weniger Stickiness. Schumacher: „Niemand hat WeTransfer super tief integriert. Wenn die Leute sich abgezockt fühlen, geht das schnell, dass jemand anderes was baut."

Und die Bewertung? Bei kolportierten 20 Mrd. $ und einem hochgerechneten Jahresumsatz von 2,4 Mrd. $ liegt das Enterprise-Value-to-Sales-Multiple bei 8. Constellation liegt bei 4,5. Vom operativen Gewinn (120 Mio. $ im letzten Quartal) geht der größte Teil für Zinsen drauf. Am Ende ist es eine Venture-Capital-Wette auf die Gründer, so Schumacher. Und darauf, dass die Zinsen nicht zu stark steigen.