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Bending Spoons

OAWS Redaktion16. September 20263 Min

Umsatz pro Mitarbeiter ist eine stumpfe Kennzahl, die am Ende aber oft überraschend viel über Firmen aussagt. OnlyFans macht 1,6 Mrd. $ Umsatz mit 47 Leuten (34 Mio. $ pro Kopf), NVIDIA kommt auf knapp 8 Mio. $. Und jetzt gibt's ein Beispiel, das ähnlich krass ist, komplett ohne KI-Boom.

Die Notiz-App Evernote wurde 2022 vom italienischen Software-Aufkäufer Bending Spoons gekauft und hat damals knapp unter 100 Mio. $ Umsatz mit 300 Mitarbeitern gemacht. Diese Woche hat CEO Luca Ferrari verraten: Evernote liegt mittlerweile bei 100 bis 200 Mio. $ Umsatz, betrieben von nur 20 Leuten. Bei 150 Mio. $ sind das auch 8 Mio. $ pro Mitarbeiter.

Das zeigt ganz gut, wieso das Modell von Bending Spoons aktuell so funktioniert: Sie setzen Digitalfirmen auf eine komplett andere Kostenstruktur. Ein Business, das grade so Geld verdient, wird plötzlich extrem profitabel. Ferrari meint, sie sind oft sogar der Investor, der am meisten bietet, weil sie mit ihrer Struktur mehr rausholen können als jeder klassische Käufer.

Das Problem an Bending Spoons ist die Bewertung. Man kann ja nicht nur das bestehende Business bewerten, sondern muss irgendwie ja auch den Wert der zukünftigen Übernahmen schätzen. Wir haben das mal ganz grob gemacht:

Das bestehende Business muss man als Erstes bewerten. Letztes Quartal haben die Tochterfirmen von Bending Spoons zusammen rund 700 Mio. $ Umsatz und 240 Mio. $ operativen Gewinn. Aufs Jahr hochgerechnet also grob 1 Mrd. $ operativer Gewinn. Wenn wir das Business mit einem Gewinn-Faktor von 10 bewerten, kommen wir auf rund 10 Mrd. $.

Schwieriger ist die Übernahme-Maschine. Dieses Jahr hat Bending Spoons Übernahmen für über 4 Mrd. $ gemacht. Nehmen wir an, sie schaffen 6 Mrd. $ an Übernahmen pro Jahr. Das Geld dafür kriegen sie vor allem durch Schulden. Nehmen wir an, sie zahlen dafür im Schnitt 10% Zinsen. Ihre Zielrendite bei Übernahmen sind mindestens 25%. Wenn man davon die Zinsen abzieht, bleiben 15% an Wert, die bei den Übernahmen entstehen. Pro Jahr sind das 900 Mio. $. Bewertet man diese Akquisitionsmaschine mit dem 20-fachen, kommt man auf 18 Mrd. $. Zusammen also rund 28 Mrd. $.

Die aktuelle Bewertung von 26 Mrd. $ ist also nicht komplett aus der Luft gegriffen, aber sehr optimistisch. Und man muss schon sehr stark dran glauben, dass die Übernahmen in immer größerem Stil weiter gut funktionieren.

Risikohinweis: Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewähr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente. Es handelt sich hier nicht um Anlageberatung. Ihr entscheidet selber, was ihr macht.