
Atomkraft mit SGL
Seit Jahresbeginn hat die SGL-Aktie über 80% zugelegt und ist seit letztem Dienstag wieder im SDAX. Am selben Tag hat SGL auch noch die Prognose angehoben. Trotzdem macht die Firma heute deutlich weniger Umsatz als noch vor zwei Jahren. Was ist passiert?
Kurzer Rückblick: Vor rund 15 Jahren hat SGL groß auf Carbonfasern gewettet. Die Idee: Autos aus Carbon bauen, weil das Material leicht und stabil ist. BMW kam als Aktionär dazu, gemeinsam hat man ein Werk in den USA für den i3 hochgezogen. Nur ist Carbon für die große Serie zu teuer geblieben. 2024 hat die Sparte bei rund 210 Mio. € Umsatz Verlust gemacht. Dann kam der Schnitt: Werk in Portugal geschlossen, Produktion im US-Werk eingestellt, Kosten von rund 60 Mio. €. Carbon macht jetzt noch etwa ein Viertel vom Umsatz aus, verdient aber wieder Geld.
Der eigentliche Wachstumstreiber ist Graphit (fast 60% vom Umsatz). Graphit hält extreme Hitze aus und steckt zum Beispiel in Öfen, in denen Kristalle für Chips und Solarzellen wachsen. Aber eine andere Anwendung ist noch spannender:
•Atomkraft-Deal: SGL liefert speziellen Graphit für kleine Atomreaktoren an X-energy, einen US-Entwickler, an dem Amazon rund ein Fünftel hält. Seit Januar gibt's einen Rahmenvertrag über zehn Jahre, der erste Auftrag allein ist über 100 Mio. $ wert. SGL verdoppelt dafür bis 2030 die Kapazität in einem Werk.
•Die Pipeline: SGL sieht Chancen bei Rüstung und Luftfahrt. Bis 2030 soll der Umsatz auf über 1 Mrd. € steigen. Dieses Jahr werden es erstmal bis zu 770 Mio. €, knapp 10% weniger als im Vorjahr.
•Das Aber: Das Atomgeschäft ist noch klein, nennenswerte Umsätze hat SGL für dieses Jahr selbst noch nicht eingeplant. Und für die Milliarde muss sich auch das Chipgeschäft erholen. Halbleiterkunden haben zuletzt weniger abgenommen als vereinbart.
An der Börse ist SGL jetzt rund 650 Mio. € wert, das entspricht ungefähr dem 23-fachen des erwarteten Gewinns. Nach dem Comeback kein Schnapper mehr. Aber wer spekulativ auf neue Atomkraft setzen will, kriegt hier einen Schaufelverkäufer, der im Gegensatz zu den meisten Atomkraftfirmen schon Gewinne macht.