
Amerikas Schufa
FICO hat vielleicht das eleganteste Geschäftsmodell der Börsenwelt: Du baust einmal einen Algorithmus und kassierst jedes Mal, wenn jemand seine Daten durchjagt. Neun von zehn Kreditentscheidungen in den USA laufen über den FICO-Score, pro Jahr werden rund 10 Mrd. Scores berechnet. Das ist viermal mehr als McDonald's Burger verkauft.
Die Aktie ist trotzdem seit dem Hoch Ende 2024 knapp 60% gefallen, obwohl der operative Gewinn in der gleichen Zeit über 30% gestiegen ist.
Warum ist der Score so dominant?
•Banken verkaufen ihre Kredite oft weiter. Um sich auf diesem Zweitmarkt zu verständigen, braucht man einen einheitlichen Standard. Und das ist der FICO-Score mit 97% Marktanteil.
•Diese Position nutzt FICO aus. 2018 hat ein Score 50 Cent gekostet, mittlerweile sind's 5 $. Die operative Marge ist in der gleichen Zeit von unter 20% auf knapp 50% gestiegen.
Was ist das Problem?
•Dieser Preisanstieg hat die Behörden geärgert. Die beiden größten Hypothekeninvestoren Fannie Mae und Freddie Mac (zusammen ca. 70% Marktanteil im Hypothekenzweitmarkt) dürfen jetzt auch das Konkurrenzprodukt VantageScore nutzen. Der kostet nur 1 $. Allerdings: Bei durchschnittlichen Abschlusskosten von 5.000 $ bei einem Hauskauf fällt der Unterschied kaum ins Gewicht.
Die Zahlen sprechen bisher weiter für FICO: Der Umsatz mit den Scores ist letztes Jahr über 30% gewachsen. Aber das Zukunftsrisiko ist da, und deshalb liegt der Börsenwert jetzt bei 25 Mrd. $ und einem erwarteten KGV von 23. Der Schnitt der letzten 10 Jahre liegt bei fast 40. Deutlich günstiger also, aber die Risiken sind heute auch größer.