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Alu-Wette

OAWS Redaktion20. April 20262 Min

Der Aluminiumpreis ist seit Beginn des Iran-Kriegs um ca. 20% gestiegen und liegt bei über 3.500 $ pro Tonne. Mehrere Schmelzwerke in der Region wurden durch Angriffe beschädigt. Gleichzeitig hat Trump die Zölle auf Aluminium auf 50% angehoben, obwohl knapp 85% des US-Bedarfs an frischem Aluminium importiert werden. Perfekt für die wenigen, die noch selbst schmelzen.

Davon gibt's nur zwei börsennotierte Player: Alcoa und Century Aluminum. Von über 20 Schmelzen um die Jahrtausendwende sind nur noch vier übrig. Der Grund: Eine einzige Schmelze verbraucht so viel Strom wie eine mittelgroße Stadt.

Der Plan: Century will bis ca. 2030 zusammen mit einem Hersteller aus den Emiraten für über 4 Mrd. $ die erste neue US-Schmelze seit fast 50 Jahren bauen. Century hält 40% an der Anlage. Kapazität: bis zu 750.000 Tonnen pro Jahr, das würde die gesamte US-Schmelzkapazität mehr als verdoppeln.

Das Potenzial: Selbst wenn die Zölle auf 10% sinken und der Alu-Preis auf 2.700 $ fällt, sollte Century mit seinem Anteil über 800 Mio. $ zusätzlichen Umsatz machen. Bei aktuell 2,5 Mrd. $ wären das über 30% Wachstum.

Die Bewertung: Century kommt auf einen Börsenwert von 6,5 Mrd. $ und ein erwartetes KGV von nur 6,5. Aber: Eine alte Börsenweisheit sagt, dass man zyklische Firmen eher bei hohem KGV kaufen soll. Ein tiefes KGV heißt hier: Investoren glauben, dass gerade eine sehr gute Phase ist, die nicht lange so bleibt.

Stabilität durch Glencore: Der 90 Mrd. $ schwere Rohstoff-Gigant hält rund ein Drittel der Century-Aktien, liefert den Großteil des Rohmaterials und kauft über die Hälfte der fertigen Ware zurück. Das macht Century abhängig, sorgt aber auch für Planbarkeit.

Am Ende ist es ein Business, das extrem am Alu-Preis hängt. Man wettet hier eher auf Politik und Rohstoffentwicklungen als auf die Qualität der Firma an sich.