
Alstoms Verspätung
Die Auftragsbücher sind so voll wie nie: 100 Mrd. € Auftragsbestand, mehr als fünf Jahre Umsatz. Trotzdem hat Alstom seit Jahresbeginn 30% an der Börse verloren. Das Problem ist nicht die Nachfrage. Es ist die Ausführung.
•Warum Züge so schwierig sind: Anders als ein Airbus ist jeder Zug fast ein Sonderbau. Unterschiedliche Bahnsteighöhen, unterschiedliche Spannungen auf den Gleisen. Das zieht Projekte in die Länge. Die neuen Doppelstock-TGVs (Auftrag über fast 3 Mrd. € aus 2018) hätten zu Olympia 2024 fahren sollen, Auslieferung soll erst diesen Monat starten.
•Das Kassenproblem: Schlusszahlungen kommen erst nach monatelangen Tests und Abnahme. Bei Verzögerungen verspätet sich also auch das Geld, dazu kommen oft Strafzahlungen. Im April gab's die dritte Gewinnwarnung in fünf Jahren, die Aktie ist an einem Tag um bis zu 30% eingebrochen.
•Altlast Bombardier: Alstom hat den kanadischen Rivalen 2021 für 5,5 Mrd. € gekauft. Mit der Firma kamen jede Menge Probleme: Über 1 Mrd. € an Rückstellungen auf alte Bombardier-Verträge sind seitdem angefallen.
•Neue Strategie: In Spanien hat Alstom bei einer Ausschreibung über bis zu 40 Schnellzüge gar nicht erst mitgeboten, weil der Zeitplan zu sportlich war. Seit April setzt der neue CEO Martin Sion auf weniger neue Projekte, dafür saubere Ausführung.
Der Börsenwert von 7,5 Mrd. € entspricht dem Zehnfachen vom erwarteten Gewinn. Das ist günstiger als im Schnitt der letzten fünf Jahre. Manche Analysten glauben, dass die teuren Anlaufphasen bis 2027 überstanden sind und dann mehr Geld hängen bleibt. Sicher ist das aber nicht.
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