
Alkohol am Tiefpunkt?
Nur noch 54% der Amerikaner trinken überhaupt Alkohol. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Gallup-Umfrage vor 86 Jahren. Gleichzeitig ist das Spirituosen-Volumen in den USA das vierte Jahr in Folge gesunken, zuletzt um 5%. Global ging's 2% runter. Schwellenländer wie Indien oder Vietnam fangen den Trend etwas auf, aber dort dominieren lokale Marken. Die großen Konzerne profitieren davon kaum. Diageo macht z.B. noch 40% vom Umsatz in den USA.
Was gegen Alkohol-Aktien spricht:
•Gesundheitstrend: Junge Menschen tracken ihren Schlaf mit Oura-Ringen und Whoop-Bändern und merken sofort, was der Drink am Vorabend anrichtet. Dazu kommen GLP-1-Spritzen wie Ozempic, durch die vielen Nutzern die Lust auf Alkohol vergeht.
•Preisschock: Cocktails kosten in den USA oft 20 $. Alkoholpreise in Bars und Restaurants sind laut Bernstein in fünf Jahren knapp 30% gestiegen, stärker als die Gesamtinflation. Im Supermarkt waren‘s nur 9%.
Was dafür spricht:
•Eher Konjunktur als Kulturwandel: Der Präsident vom Alkohol-Analysehaus IWSR glaubt, dass sich viele schlicht keine Drinks mehr leisten können. Der Anteil von Alkohol an den Gesamtausgaben für Verbrauchsgüter liegt mit ca. 5,5% sogar über dem Schnitt seit 1990. Einen ähnlichen Einbruch gab's in den Achtzigern, danach hat sich der Konsum erholt.
•Günstige Alternativen wachsen: Dosen-Cocktails sind bei der Gen Z beliebt, der Markt ist letztes Jahr über 20% gewachsen.
Falls der Rückgang wirklich nur temporär ist, könnte Diageo spannend sein. Die Aktie wird beim 13-fachen vom erwarteten Gewinn gehandelt, der Zehn-Jahres-Schnitt liegt bei 21. Seit Januar hat der neue CEO Sir Dave Lewis (Spitzname: "Drastic Dave") die Dividende mehr als halbiert und will den Schuldenberg von über 20 Mrd. $ bis 2028 abbauen. Im Spätsommer kommt eine komplett neue Strategie mit günstigeren Produkten für preisbewusste Kunden.