Podcast-Begleitmaterial
Denglisch-Lexikon zur Biotech-Folge
Unser Gast Christian Koch von BB Biotech hat im Gespräch relativ viele englische Fachbegriffe eingestreut. Hier die wichtigsten kompakt erklärt — jeweils mit dem Zusammenhang, in dem sie in der Folge gefallen sind.
Struktur & Anlagestrategie
- Permanentes Kapitalpermanent capital
- Kapital, das dem Investor dauerhaft zur Verfügung steht, weil Anleger es nicht zurückfordern können. BB Biotech ist deshalb weder ein (offener oder geschlossener) Fonds noch eine klassische Beteiligungsgesellschaft, sondern eine börsennotierte Schweizer Investment-AG: Wer aussteigen will, verkauft die Aktie an der Börse — das Kapital der Gesellschaft bleibt im Unternehmen. Noah zieht die Parallele zu Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Dieses „geduldige" Kapital ist die Grundlage für fast alle anderen Konzepte.
- Zeitarbitragetime arbitrage
- Der Versuch, einen Vorteil daraus zu ziehen, dass man einen längeren Anlagehorizont hat als der Rest des Marktes. Weil viele Investoren immer kürzere Zeitfenster haben — bei mittelgroßen Firmen laut Koch oft nur noch 12–18 Monate vor einem kurstreibenden Ereignis —, entsteht davor eine Bewertungslücke. Wichtig ist seine Betonung: Zeitarbitrage heißt früher investieren, ohne mehr Risiko einzugehen, z. B. in der „langweiligen" Phase zwischen Studienphase 2 und 3, in der zwei bis drei Jahre vergehen können und sich kaum jemand für die Aktie interessiert. Als objektiven Indikator nennt er den Optionsmarkt, der solche Ereignisse selten mehr als 3–12 Monate im Voraus einpreist.
- Informationsarbitrageinformation arbitrage
- Das Gegenstück zur Zeitarbitrage: Bessere Informationen haben als andere. Streng genommen Infos, die andere noch gar nicht haben. Koch argumentiert, dass dieser Vorsprung durch KI, mehr Daten und tausende spezialisierte Analysten an der Wall Street immer schwerer zu erzielen ist — und dass genau deshalb die Zeitarbitrage relativ attraktiver wird.
- EdgeVorsprung / Kante
- Ein konkreter, messbarer Vorteil gegenüber dem Markt. Kochs Beispiel: Wenn die Grundwahrscheinlichkeit für einen Studienerfolg bei 50 % liegt, man Hämatologie aber besser versteht und auf 70 % kommt, hat man einen „Edge" — den man dann „arbitriert" (also in Rendite umsetzt).
- Risk SizingRisikodosierung / Positionsgröße
- Die Frage, wie groß eine einzelne Position ausfällt bzw. wie viel Risiko man mit ihr eingeht. Für Koch ist das kein fixer Wert, sondern ein dynamischer Prozess, der von Bewertung, Marktphase und Risikoprofil abhängt. Das gezielte Steuern der Positionsgrößen über das ganze Portfolio hinweg (das „Risikobudget") ist zuletzt deutlich wichtiger geworden — früher habe man sich fast ausschließlich auf das Research konzentriert.
- Opportunity SetsAnlageuniversum / Chancenmenge
- Die Menge der Firmen, die als Investment überhaupt in Frage kommen. Koch beschreibt, wie sich dieses Set über die Jahre verändert: Im Westen sei das investierbare Universum nach seinen Kriterien von rund 1.000 auf etwa 500 Firmen geschrumpft (2021–2023, weil viele unter 200 Mio. fielen oder restrukturiert wurden) und danach wieder gewachsen. Entsprechend hat BB Biotech die Zahl der Positionen angepasst — von 20–35 auf 30–50.
- ReadoutStudien-Ergebnis
- Der Moment, in dem die Ergebnisse einer klinischen Studie veröffentlicht werden — oft das eigentliche kurstreibende Ereignis. „Phase-3-Readout" meint also die Resultate der entscheidenden Zulassungsstudie.
- (Due) DiligenceSorgfaltsprüfung
- Die gründliche Prüfung eines Investments vor dem Kauf — bei BB Biotech traditionell sehr tief, mit Ärzten, Wissenschaftlern und Ökonomen.
- First Principlesaus ersten Prinzipien
- Etwas von Grund auf herleiten, statt sich auf Erfahrungswerte oder fremde Studien zu verlassen. Kochs „Endgame" ist es, den Erfolg eines Medikaments möglichst first-principles-basiert vorherzusagen — ein sehr fernes Ziel, weil dafür die ganze Kette von Physik über Chemie und Biologie bis zum Geschäftsmodell durchgerechnet werden müsste.
Die anderen Marktakteure
- Healthcare Multi-Strategy Pods
- Spezialisierte Teams („Pods") innerhalb großer Hedgefonds mit verschiedenen Strategien, die sich auf das Gesundheitssegment fokussieren. Sie sind laut Koch extrem gut darin geworden, einzelne Ereignisse (etwa Studienergebnisse) vorherzusagen und sich vorher zu positionieren — teils bewegt sich der Kurs vor dem Ereignis stärker als danach. Er beschreibt sie halb bewundernd, halb ironisch: Sie säßen in denselben Experten-Runden, läsen Körpersprache und fragten minutiös alles ab — sähen aber „nicht das große Ganze".
- Long Onlynur Kaufpositionen
- Investoren, die ausschließlich auf steigende Kurse setzen und nicht leerverkaufen (shorten). Koch nutzt den Begriff für die klassische fundamentale Asset-Management-Industrie — inklusive Selbstkritik: Über lange Zeiträume sei ihr „Alpha" oft gar nicht so groß, wie es scheint (siehe Alpha & Beta).
Rendite & Risiko messen
- Alpha & Beta
- Zwei zentrale Kennzahlen der Fondswelt. Beta misst, wie stark sich eine Anlage mit dem Gesamtmarkt bewegt — also das Marktrisiko. Alpha ist die Überrendite, die darüber hinaus durch Können (vor allem Aktienauswahl) entsteht. Kochs Kernpunkt: Viele Manager zeigen zwar Überrenditen, aber risikoadjustiert bleibt oft kein echtes Alpha übrig — die Mehrrendite kam schlicht daher, dass sie mehr Marktrisiko (Beta) eingegangen sind. In der Wissenschaft nennt man diese risikobereinigte Größe Jensen's Alpha.
- Excess ReturnsÜberrendite
- Die Rendite über dem Vergleichsindex hinaus. Für Biotech beziffert Koch sie auf grob 1,5 % pro Jahr über 32 Jahre (kumuliert / „compounded"). Erst die Zerlegung in Alpha und Beta zeigt, wie viel davon echtes Können und wie viel nur Risiko war.
Portfolio-Steuerung & Quant
- CashBarmittel / Kasse
- Schlicht das nicht investierte Geld im Portfolio. „Cash zu nehmen" heißt, Positionen zu verkaufen und die Barquote zu erhöhen — für Koch eine der wenigen Absicherungen, wenn der ganze Biotech-Sektor fällt (BB Biotech investiert ja nur in diesen einen Sektor und ist kein Makrofonds).
- LeverageHebel / Fremdkapital
- Der Einsatz von geliehenem Geld, um mehr investieren zu können, als das eigene Kapital hergibt — der „Hebel". Er verstärkt Gewinne genauso wie Verluste. „Moderate Leverage" heißt also: nur ein maßvoller Hebel. Koch beschreibt, das Portfolio in einer Spanne zwischen etwa 10 % Cash und 10 % Leverage zu steuern — mal etwas Geld auf der Seite halten, mal bis zu 10 % über das eigene Kapital hinaus investiert sein. Bewusst in kleinen Schritten (3 % oder 5 %), damit sich das Team an die datengetriebene Steuerung gewöhnt.
- Quantquantitativ
- Kurzform für „quantitativ" — also Investoren, Fonds oder Strategien, die vor allem mit mathematischen Modellen, Statistik und großen Datenmengen arbeiten, statt mit klassischer, fundamentaler Einzelanalyse. Wenn Koch von „Quant und ARBs" (Quants und Arbitrageuren) spricht, meint er diese modellgetriebene Ecke des Marktes. Sein Ziel: deren Werkzeuge ins eigene, bislang fundamental geprägte Haus zu holen.
- Quant-Modellquantitatives Modell
- Ein regelbasiertes, datengetriebenes Modell statt reiner Bauchentscheidung. Koch nennt als Beispiel ein in wenigen Monaten gebautes Cash-Allokations-Modell auf „Quant-Level", das steuert, wo man zwischen etwa 10 % Cash und 10 % Leverage steht. Für ihn ist das vor allem ein Mindset-Shift: dem Modell mehr zu vertrauen als dem eigenen Gefühl.
- Market-Regime-Engine (spezifisch für BB Biotech)
- Teil des geplanten KI-Systems, zuständig für den kurzen Horizont (0–3 Monate): Sie soll die aktuelle Marktlage („Regime") einschätzen und beim Portfolioaufbau helfen — etwa bei der Frage, wo man zwischen Cash und Leverage steht.
- Research-Engine (spezifisch für BB Biotech)
- Das zweite Modul mit langem Horizont (3–5 Jahre): die tiefe, fundamentale Analyse einzelner Investment-Cases. Kochs „Operating System" soll zwischen Research-Engine und Market-Regime-Engine „eiskalt" hin- und herschalten und so den Vorteil des permanenten Kapitals systematisch nutzen.
Die Bewertung der Aktie an der Börse
- DiscountAbschlag
- Wenn die BB-Biotech-Aktie an der Börse weniger wert ist als das Nettovermögen (der „innere Wert" der Beteiligungen). Ein bekannter Effekt bei solchen Strukturen; im langjährigen Schnitt liegt der Abschlag laut Koch bei rund 15 %. Wichtigster Treiber ist die Portfoliozusammensetzung — vor allem der Anteil privater Beteiligungen —, daneben Dividende, Aktienrückkäufe und Kommunikation.
- PrämieAufschlag
- Das Gegenteil des Discounts: Die Aktie ist mehr wert als das Nettovermögen. Koch nennt als Beispiel die Covid-Zeit 2021, als BB Biotech mit rund 30 % Prämie gehandelt wurde — Biotech war „hot", und über die Aktie konnte man indirekt an der damals noch privaten Beteiligung Moderna teilhaben.